Philosophie Convent

Sinn, Krise und Suizid

Jeder Mensch kann in eine Sinnkrise geraten, die eine Gedankenkaskade zur Folge hat, und dadurch kann Denken zum Problem werden. Denken ist ein wichtiges, jedoch nicht das höchste geistige Vermögen. Das wahre Leben erfordert einen freien Geist und es ist der egoistische Verstand, dem der jetzige Moment nicht schön genug erscheint. Ein Beispiel ist sein Meckern über das alltägliche Wetter, das wir nicht ändern können, und in kritischen Situationen hilft uns Aufklärung, um liebevoll aus einem trüben Stimmungstief hervorzugehen.

Die philosophische Aufklärung besagt, dass Liebe die stärkste Kraft des Lebens ist, denn Jetzt ist alles vergangen außer der Liebe, die sich ewig mehrt. Liebe und Ewigkeit sind ein Herz und eine Seele, und wenn wir uns für die Herzensbildung erwärmen und seelische Gesundheit gewinnen, können wir immer einen kühlen Kopf bewahren und ein glückseliges Leben genießen. Weiterhin ist erwähnenswert, dass wir einen langen Lebensweg beschreiten können, wenn wir keinen Versuch unternehmen, den leiblichen Körper lieblos zu benutzen.

Viele Menschen geschäftigen sich mit Denken, anstatt das Leben geistesgegenwärtig und sinnvoll wahrzunehmen, und können dadurch in eine Grübelfalle stolpern, in der durch ständiges Wiederkäuen von Gedanken eine kritische Lebenssituation entsteht. Wenn wir Sinnkrisen, von denen wohl nur das Lebewesen Mensch betroffen wird, einer genaueren Prüfung unterziehen, können wir erkennen, dass sie auch mit dem Gedankenkarussell zu tun haben, das um das Ego kreist. Manchmal kann sich sogar der depressive Gedanke bilden, sich umzubringen.

Anmerkung: Bei einer suizidalen Krise bitte die Telefonseelsorge oder den Euronotruf 112 anrufen.

Der erste Welt-Suizid-Report der Weltgesundheitsorganisation beschreibt, dass sich im Jahr 2012 etwa 800.000 Menschen das Leben genommen haben, und viel mehr dachten darüber nach. Dachten darüber nach! Mögen die psychologischen Beweggründe noch so verschieden sein, ein Übeltäter ist der eigensinnige Verstand, der sich denkt: „Ich ... will nicht mehr leben!“, und der dem Körper sozusagen diktiert, den Ast des Lebensbaums abzusägen, an dem der Mensch von Geburt an reifen soll. Siehe: Ansprache zum Schulbeginn / Erich Kästner

Erich Kästner bezeichnete die Kindheit als „Leuchtturm“ und seiner Ansprache zum Schulbeginn ist zu entnehmen, dass wir naturverbunden am Baum des Lebens zur Welt kommen. Die Glückseligkeit der Kindheit kommt nicht auf den Gedanken, Hand an sich zu legen, er bildet sich nachweislich erst in älteren Köpfen. Für Kinder ist jeder Tag ganz neu, nichts ist gefesselt an die Zeit, und wenn der Mensch kein Gefangener seiner selbst ist, kann er sich unbefangen dem Leben hingeben und es bejahen getreu des mutigen Verses: Ich sag zum Leben niemals Nein, wahrer als Jetzt kann es nie sein, ich sag zum Leben immer Ja, weiß Gott ist es ja wunderbar!

„Der Selbstmord ist ein Nein auf die Sinnfrage.“ So lautet ein Zitat von Viktor Frankl, und in seinem Buch Der Mensch vor der Frage nach dem Sinn beschreibt er es weiter: „Ist Ihnen jemals die Paradoxie aufgefallen, daß die Fähigkeit des Auges, die Welt wahrzunehmen, abhängig ist von seiner Unfähigkeit, sich selbst wahrzunehmen? Wann sieht denn das Auge sich selbst oder etwas von sich selbst? Doch nur, wenn es erkrankt ist. Wenn ich an einem grauen Star leide, dann nehme ich ihn in Form eines Nebels wahr, den ich sehe, und wenn ich an einem grünen Star erkrankt bin, dann sehe ich, rings um die Lichtquellen, einen Hof von Regenbogenfarben.“

Weiterhin ist in diesem lebensbejahenden Werk zu lesen: „
So oder so, in dem Maße, in dem das Auge etwas von sich selbst sieht, ist das Sehen auch schon gestört. Das Auge muß sich selbst übersehen können. Und genauso verhält es sich mit dem Menschen. Je mehr er sich selbst übersieht, je mehr er sich selbst vergißt, indem er sich hingibt einer Sache oder anderen Menschen, desto mehr ist er Mensch, desto mehr verwirklicht er sich selbst. Erst die Selbstvergessenheit führt zur Sensitivität und erst die Selbsthingabe zur Kreativität.“